Prof. Mihaljevic ist diese Klinikpartnerschaft ein persönliches Anliegen. Er möchte der Delegation zeigen, wie eng das Universitätsklinikum Tübingen und das Zollernalb Klinikum zusammenarbeiten und wie onkologische Chirurgie auf universitärem Niveau auch in einer ländlichen Region erfolgreich praktiziert werden kann. Gerade dieser Ansatz ist für die ukrainischen Gäste von besonderer Bedeutung: Durch den Krieg sind ländliche Gebiete und Sperrzonen stark unterversorgt. Dennoch treten onkologische Erkrankungen überall auf – häufig bei älteren Menschen. Das Team um Chefarzt Andrii Lukashenko wird daher regelmäßig in diese Regionen entsendet, um die chirurgische Versorgung aufrechtzuerhalten.
Bereits im Vorfeld der Lecture hatte Prof. Mihaljevic die ukrainischen Kolleginnen und Kollegen zu einem Besuch ins Zollernalb Klinikum eingeladen Dort begleiteten sie eine komplexe Operation, eine Darmresektion mit möglicher Nebennierenresektion bei einem Kolonkarzinom (siehe Foto links). Die Gäste verfolgten den Eingriff Schritt für Schritt und diskutierten anschließend die operative Strategie mit dem gesamten Team.
„Solche Eingriffe sind selbst unter optimalen Bedingungen herausfordernd“, erklärte Prof. Mihaljevic im Anschluss. „Umso wichtiger ist es, Wissen zu teilen und voneinander zu lernen.“
Auch Dr. Gerhard Hinger, Vorsitzender Geschäftsführer des Zollernalb Klinikums, nahm sich Zeit, die Delegation persönlich willkommen zu heißen. Er würdigte den Mut und das Engagement der ukrainischen Ärztinnen und Ärzte, die trotz schwieriger Bedingungen täglich für ihre Patientinnen und Patienten im Einsatz sind.
Die Gäste schilderten eindrucksvoll, unter welchen Umständen sie derzeit arbeiten müssen. Der direkte Austausch, das Kennenlernen internationaler Standards und das Erleben eingespielter operativer Abläufe seien für sie daher von unschätzbarem Wert.
„Für uns bedeutet dieser Besuch fachlich, aber auch menschlich sehr viel“, betonte der Chefarzt Andrii Lukashenko. „Die Offenheit und Bereitschaft zur Zusammenarbeit gibt uns Kraft und zeigt, dass wir nicht alleinstehen.“
Die Verantwortlichen des Zollernalb Klinikums und des Universitätsklinikums Tübingen hoben hervor, dass dieser Besuch ein weiterer Schritt zur Vertiefung der Kooperation sei. Die Partnerschaft soll die Ausbildung von Multiplikatoren fördern, den Aufbau belastbarer Strukturen unterstützen und langfristig auch ermöglichen, dass ukrainische Ärztinnen und Ärzte im Rahmen der bestehenden Rotation zwischen Tübingen und dem Zollernalb Klinikum in Deutschland hospitieren können. So wächst eine Zusammenarbeit, die weit über fachlichen Austausch hinausreicht. Sie ist ein klares Zeichen gelebter medizinischer Solidarität in schwierigen Zeiten.